Wir brauchen keinen Ausbau der Schlüterbrücke!

In einer mehr­stün­di­gen Debat­te hat der Frei­sin­ger Stadt­rat am 04.02.2021 wei­te­ren gemein­sa­men Unter­su­chun­gen mit dem Land­kreis zum vier­spu­ri­gen Aus­bau der FS 44/45 und der Schlü­ter­brü­cke zuge­stimmt und somit die Wei­chen für den Aus­bau gestellt. Trotz hef­ti­ger und sach­lich gut begrün­de­ter Kri­tik an einem der­ar­ti­gen Aus­bau durch Grü­ne, ÖDP, SPD und Lin­ke wur­de von einer Mehr­heit aus FSM, FW, CSU, FDP und AfD eine Fort­füh­rung der Pla­nun­gen beschlos­sen. Lei­der wur­de nicht im Sin­ne des Kli­ma- und Natur­schut­zes und einer ech­ten Ver­kehrs­wen­de ent­schie­den, son­dern im Sin­ne des moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs und des Straßenbaus.

Unse­re Ableh­nungs­grün­de im Einzelnen:

  • Die den Pla­nun­gen zugrun­de­lie­gen­den Ver­kehrs­pro­gno­sen stam­men aus den Jah­ren 2018/2019, aus der Zeit vor der Coro­na-Pan­de­mie, und sind somit Maku­la­tur. Die unter­stell­ten Stei­ge­rungs­ra­ten bei Flug­pas­sa­gie­ren und Flug­be­we­gun­gen sind über­holt. Auch die Ent­wick­lung des moto­ri­sier­ten Indi­vi­du­al­ver­kehrs muss auf­grund der Ver­än­de­run­gen in der Arbeits­welt über­dacht wer­den. Durch die ver­stärk­te Nut­zung von Home-Office wird es weni­ger täg­li­che Berufs­pend­ler geben. Auch die Zahl der Geschäfts­rei­sen­den wird abneh­men, da Video-Kon­fe­ren­zen künf­tig deut­lich öfter genutzt wer­den. So rech­net allei­ne die Luft­han­sa mit 10 – 20 % dau­er­haft weni­ger Geschäfts­flie­gern (LH-Chef Cars­ten Spohr am 18.02.2021 im SZ Wirt­schafts­gip­fel Salon).
  • Die Ver­brei­te­rung der Stra­ße bedeu­tet prak­tisch eine zwei­te Brü­cke neben der ers­ten und bringt einen erheb­li­chen Ein­griff in die Isarau­en und somit in ein bedeu­ten­des FFH-Gebiet (Fau­na-Flo­ra-Habi­tat).
  • Durch den Aus­bau wird zusätz­li­cher moto­ri­sier­ter Indi­vi­du­al­ver­kehr ermög­licht und ange­zo­gen. Zusätz­li­cher Stra­ßen­bau bringt kei­ne Ver­mei­dung von Staus, son­dern erzeugt mehr Ver­kehr. Der bekann­te Spruch „Wer Stra­ßen sät, wird Ver­kehr ern­ten“ ist in der Ver­kehrs­for­schung durch wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen längst bestätigt
  • Auch die Stadt Frei­sing hat sich zu Kli­ma­schutz­zie­len und ent­spre­chen­den Maß­nah­men ver­pflich­tet. Der­ar­ti­ge Stra­ßen­bau­pro­jek­te kon­ter­ka­rie­ren aller­dings Maß­nah­men im Rah­men unser wich­tigs­ten Zukunfts­auf­ga­ben, Kli­ma­schutz und Erhalt der bio­lo­gi­schen Vielfalt. 
  • Finan­zi­el­le Mit­tel in zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he mit nicht kal­ku­lier­ba­ren Kos­ten­stei­ge­rungs­ri­si­ken soll­ten in Zei­ten Coro­na-beding­ter Min­der­ein­nah­men für Stadt und Land­kreis nicht für zwei­fel­haf­te und kli­ma­schäd­li­che Stra­ßen­bau­pro­jek­te ver­wen­det werden. 

Wir for­dern des­halb, dass alle wei­te­ren Unter­su­chun­gen für den geplan­ten Aus­bau ein­ge­stellt wer­den. Frü­hes­tens in zwei Jah­ren, wenn die West­tan­gen­te min­des­tens ein Jahr in Betrieb ist und die Coro­na-Pan­de­mie (hof­fent­lich) Geschich­te ist, soll­te eine Neu­be­wer­tung der künf­ti­gen, nach­hal­ti­gen Ver­kehrs­ent­wick­lung erfolgen. 

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